1. Zuerst die Zugänge sichern
Bevor du irgendetwas an der Seite änderst, brauchst du die Kontrolle über die Zugänge. Das ist der wichtigste und dringendste Schritt, denn solange jemand anderes noch Zugriff hat oder ein Zugang wegfällt, bist du angreifbar. Verschaff dir einen Überblick, was vorhanden ist und was fehlt, und ändere überall dort die Passwörter, wo noch andere mitlesen könnten.
- Hosting-Account (Server, auf dem Dateien und Datenbank liegen)
- Domain-Verwaltung (Registrar) und die DNS-Einstellungen
- WordPress-Admin (mindestens ein Administrator-Konto, das dir gehört)
- FTP/SFTP- oder SSH-Zugang zum Server
- das E-Mail-Postfach, an dem Domain und Hosting hängen
Domain und Hosting-Account sind wichtiger als der WordPress-Login. Wer die Domain kontrolliert, kontrolliert die Seite. Kümmere dich zuerst darum, dass Domain und Hosting auf euch laufen und ihr das zugehörige E-Mail-Postfach erreicht.
2. Bestandsaufnahme: Was läuft hier überhaupt?
Wenn die Zugänge sitzen, verschaffst du dir ein nüchternes Bild vom Ist-Zustand. Es geht noch nicht ums Reparieren, sondern ums Verstehen. Notiere dir die WordPress-Version, das aktive Theme (Standard-Theme, gekauft oder individuell gebaut?), die installierten Plugins und die PHP-Version auf dem Server. Genauso wichtig: Wo läuft die Seite, und wie kommt man an Dateien und Datenbank? Diese Übersicht ist die Grundlage für jede spätere Entscheidung.
3. Vollständiges Backup ziehen, bevor du etwas anfasst
Der erste aktive Schritt ist immer ein komplettes Backup: alle Dateien plus die Datenbank, zusammen und zum selben Zeitpunkt. Lade dieses Backup an einen Ort herunter, der unabhängig vom Server ist. Erst wenn du eine Kopie hast, die du im Zweifel wirklich wiederherstellen könntest, fängst du an, an der Seite zu arbeiten.
Verlass dich nicht auf ein Backup, das du noch nie zurückgespielt hast. Ein ungetestetes Backup ist eine Vermutung, keine Sicherheit. Prüfe im Zweifel auf einer separaten Umgebung, ob es sich sauber wiederherstellen lässt.
4. Sicherheit prüfen
Eine verwaiste Seite ist oft eine vernachlässigte Seite, und vernachlässigte Seiten sind ein beliebtes Ziel. Prüfe deshalb früh, ob alles sauber ist. Sieh dir die Benutzerliste im wp-admin an und entferne Administrator-Konten, die niemand mehr zuordnen kann. Kontrolliere, wann zuletzt Updates gelaufen sind und ob Plugins installiert sind, die es offiziell gar nicht mehr gibt. Ein plötzlich langsamer Server, unbekannte Dateien oder Weiterleitungen auf fremde Seiten sind Warnzeichen.
- Unbekannte Administrator-Konten entfernen, eigenes Passwort neu setzen
- Prüfen, seit wann Core, Theme und Plugins nicht aktualisiert wurden
- Nach Plugins ohne offizielle Quelle und nach fremden Dateien suchen
- Auf verdächtige Weiterleitungen (besonders mobil) testen
5. Dokumentieren, was sonst niemand mehr weiß
Das eigentliche Problem einer verwaisten Seite ist selten der Code, sondern das fehlende Wissen. Halte deshalb schriftlich fest, was du herausfindest, solange du gerade drinsteckst. Wo liegen die Zugänge? Gibt es individuell geschriebenen Code im Theme oder in kleinen Zusatz-Plugins? Laufen Cronjobs oder automatische Abläufe? Hängt die Seite an externen Diensten wie einem Newsletter-Tool, einer Warenwirtschaft oder einer Schnittstelle? Diese Notizen sind Gold wert, sobald das nächste Mal etwas hakt.
6. Aufräumen mit Augenmaß
Jetzt erst wird angefasst, und zwar in kleinen, kontrollierten Schritten. Der Reflex, sofort alles auf einmal zu aktualisieren, ist verständlich, aber riskant: Bei einer lange vernachlässigten Seite kann ein großes Update mehr kaputt machen, als es repariert. Besser ist der Weg über eine Testumgebung, auf der du Updates und Änderungen ausprobierst, bevor sie live gehen. Was offensichtlich überflüssig ist, darf weg. Was du nicht verstehst, lässt du zunächst stehen und dokumentierst es.
Richte eine Kopie der Seite als Testumgebung ein und spiele Updates zuerst dort ein. So siehst du, was ein Update anrichtet, ohne die Live-Seite zu gefährden.
7. Die laufende Betreuung sicherstellen
Am Ende der Übernahme steht die Frage, die den ganzen Ärger überhaupt ausgelöst hat: Wer kümmert sich künftig? Eine Seite, die niemand betreut, steht in ein oder zwei Jahren wieder genau da, wo sie jetzt ist. Lege fest, wer Updates einspielt, Backups überwacht und im Ernstfall erreichbar ist. Ob das jemand intern übernimmt oder ein externer Partner, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass es überhaupt jemanden gibt und dass Zugänge und Dokumentation an einem sicheren, auffindbaren Ort liegen.
Wir übernehmen das für dich.
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